Nuit-nalismus

Samstag, 15. Mai 2010

Punctum saliens

Der springende Punkt einer Sache ersetzt jede noch so gute Pointe.

Siehe die Anklage jenes Amerikaners gegen Gott wegen dessen Verursachung von unzähligen Morden und Anstiftung allgemeiner Zerstörungsaktionen.

Gottes Chancen, unbehelligt davon zu kommen, stehen nicht schlecht. Es stimmt nämlich gar nicht, dass in Amerika jeder jeden wegen jeder Lappalie auf materielle Entschädigung hin anklagen kann.

An Gottes Stelle würde ich nach dem Muster einer erklecklichen Anzahl von Ausnahme-Amerikanern auf meinen Immunitätsstatus nach Agenda 21 hinweisen, der zufolge amerikanische Soldaten, die globusweiter Menschenrechtsverletzungen angeklagt und überführt wurden, wegen des amerikanischen Vetos vor gerichtlicher Verfolgung sicher sind.

Reichtum

Macht den Alltagsverstand nicht glücklich. Sagt er, und weiß von ehrenwerter Armut am blank gescheuerten Holztisch so ergreifend zu erzählen, dass sich die Balken noch in den Chalets der unglücklichen Millionäre biegen.
Vor allem seine Geldform unterliegt einer harschen Kritik: „Geld macht nicht glücklich.“ Und andersrum: „Die Ehre der Frau ist ihr größtes Kapital.“...“und wer froh ist, ist ein König.“
Unterm Mäntelchen einer Verächtlichmachung der Verfügung über fremde Arbeit schleppt so der Hausverstand eine merkwürdige Rechtfertigung des Reichtums durch die moralisch verseuchten Gemüter, indem sie ihn zu einer bloßen Paraphernalie der gesellschaftlichen Verhältnisse erklärt, denen es um ein Eigentliches, viel Wichtigeres von geradezu metaphysischen Gnaden zu tun sei.

Der fromme Erich Fromm, der Lieblingspsychologe des kleinbürgerlichen Seelengebräus wäre hier als einschlägige Vorstellungshilfe zu nennen. Auf ihn geht die Entgegensetzung von Haben (schlecht!) und Sein (gut!) zurück, als ob nicht jeder über sein Guthaben in die Lebenschancen eingewiesen würde.

Weswegen einem vernünftigen Mann namens Goethe klar war: „Ein gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank

Klartext dieser richtigen Rehabilitierung des Reichtums durch den Klassiker: die Totalität seiner Beziehungen zur und auf die gegenständliche Welt droht für den der Bettlägerigkeit zuwankenden Mittellosen auf den selbstproduzierten Mief bei zugezogenen Gardinen zu schrumpfen.

Ich werd´ nich´ mehr!

Warum steckt das Land so tief in der Schuldenfalle - und wie soll es wieder herauskommen?“ textet die Tagesschau.de im Internet.
Mal ganz unabhängig von dem Land, um das es da gehen soll (weil es beim nächsten nämlich genau so weitergeht), dächte man doch, dass eine Falle für Menschen unter Menschenähnlichen weg gehört.
Nix da, diese Kreditfallen liegen aus gutem Grund und ganz rechtmäßig in einer Art Minengürtel für die Deppen herum, und das einzig Interessante daran sind die ganz heißen Tipps, wie man den fallierten Idioten medienseitig auf die Sprünge helfen kann.

Dieser Denkfigur zufolge sind deine kaputten Knochen ein Anlass zu Diagnosen und Therapien, wie man als Krüppel dennoch sich weiterhelfen kann.
Eine denkbare, aber ganz ausgeschlossene Alternative wären müßige Spekulationen über die Abschaffung jener Bedingungen, die den gelaufenen Schaden ganz rechtmäßig ermöglichen.

Macherei
- Nicht reden, machen!
- Aha, also nicht Reden machen?
- Na ja, von sich reden machen, ist fast so gut wie tatsächlich machen.
- Ahh ha, also auf gar keinen Fall Zungengelähmte reden machen!?

Mittwoch, 5. Mai 2010

Das Vor-BILD

Wenn von den rechtmäßigen Ordnungs-Stiftern und – Bewahrern einem Volk der Gürtel enger geschnallt wird, dann dient das nicht etwa der Aufrechterhaltung einer andernfalls abschiffenden Währung, sondern:
Das Spannende daran ist, sagt der Staatsrundstrahler, dass beispielsweise die Letten seit Jahren geradezu vorbildlich den „Austeritätskurs“ wegstecken.

Man lerne daraus: nie über die Sache selbst reden (das wäre qua Abweichlertum schon Anarchismus), sondern: man komme den lernbegierigen Praktikern mit Empfehlungen zur gediegenen Umgangsweise mit den ihr ( der nie beredeten Sache) eingeschaffenen Unbequemlichkeiten.

"Randalieren" von tatsächlich Betroffenen, sagt der Staatsrundstrahler, gehört da sicherlich nicht dazu. Sowas ist eine Blutgrätsche von Ausschreitern, der man die rote Karte zeigen muß.
Drei Tote sind da angeblich beredter als Millionen Geschädigte, die mir persönlich in ihrem kurzatmigen Materialismus freilich auch nicht sonderlich sympathisch sind.

Dienstag, 4. Mai 2010

Sicherheit

Das Ideal der Sicherheit landet zu Recht in den Verliesen jener Schutzmacht, welche man, sie zu garantieren, autorisierte.

Populärkultur
Die triviale Unterhaltung ist direkter Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse, was man daran merkt, dass nichts davon bis zum anderen Morgen im Gedächtnis haftet: das an den Augen Vorübergezogene ist so identisch mit allem ohnehin Bekannten, dass es darin restlos und spurlos aufgeht.
Etwas von diesen Verhältnissen Verschiedenes wäre automatisch aufklärerische Kunstübung.

Probe aufs Exempel:
Abend für Abend gibt die Fernseh-Polizei alles, unter Aufbietung letzter Kraft den Höchstwert Gerechtigkeit realisieren zu helfen. Man sieht, Verbrechen zahlt sich nicht aus.
Der bloße Konter: „Oh doch!“ taugt bestenfalls für ein weiteres talk-show-Thema.

Besser ist das Klarstellen des Begriffs von Gewalt: Illegitime böse Gewalttat – legitime gute Gewalt wie im folgenden Brechtschen Merker:
„Was ist schon ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank?.“ (Brecht)

Montag, 3. Mai 2010

Neubestimmung der Demonstration als politische Waffe

Man kann natürlich
der Arroganz der Macht
mit der Kühnheit der Hoffnung
gegenübertreten,

also dem Mut zur Demut.

Montag, 12. April 2010

Macchiavelli reloaded

June Mayer's sorgfältig dokumentiertes Buch “The Dark Side” demonstrierte jenseits allen möglichen Zweifels, dass der amerikanische Präsident, der Vize-Präsident, der Direktor der CIA und ihre engsten Mitarbeiter Kriegsverbrecher sind. Sie verletzten Internationales Recht, sie verletzten amerikanisches Recht und das Naturrecht.

Was hierzulande jeder wusste und weiß und ungerührt zur Kenntnis nimmt.

Der Unterschied zu etwelchen vor die Tribunale geschleppten Politikern ist der: eine siegreiche Macht über allen anderen Mächten und ihr Interesse über allen Interessen kann nicht der Jurisdiktion unterliegen, weil Il Principe es ist, der das Recht setzt.

Es tobe der moralische Eigendünkel noch so sehr.

Norman Mailer,
einer der „angry old man“ der amerikanischen Literatur meinte, Journalisten seien Leute, die fragen, ohne Antworten zu bekommen, und Politiker seien Leute, die antworten, ohne gefragt worden zu sein.
An diesem vergrätzten Idealismus stimmt nur das sich darin deutlich genug ausdrückende gesellschaftliche Verhältnis.

Und das ist ja wohl der klärenden Antworten genug.

Notwendigkeit
Die von allen gedankenlos dahergeschwätzte Unverzichtbarkeit der Liebe hat die Unumgänglichkeit des Hasses zur gewussten Grundlage.

Es ist doch bloß die Figurenperspektive des revolutionsmüden Danton , die auf ein „Was ist es, das in uns „lügt, hurt, stiehlt, mordet?“, kommt.

Vom Revolutionär Büchner aus gesehen ist das eine ganz falsche Frage, weil sie die Welt trennt in den Willen zu all dem. (Diese Handlungen wissen selbstverständlich auch ihre Gründe dafür.) Und eine getrennt davon existierende Verdoppelung, die sich ab sofort als das Tiefere ausgeben wird.
Diese Verdoppelung des Willens in seine Realisierung und einen Orkus, wo der Totenrichter schon seine Robe zurechtzupft, hat ohne Not einen ganz neuen Gegenstand kreiert, der vom Thema endgültig wegführt.

Donnerstag, 8. April 2010

Sozialstaat

Wenn die großen, schweren Schlachtschiffe zum Schlachten ausfahren, zieht immer das Lazarettschiff hinterher. Für die Wiederherstellung von noch verwertbarem Material.

Unbeeindruckt von dieser Bestimmung dessen, was Sozialstaat ist, kommt es den An-Politisierten vor, als nehme die "soziale Kälte" zu.

Teilnahme und Identifikation

Dauernd soll man sich mit etwas identifizieren und sein Heil in der Teilnahme erblicken.
Spielst du aber tatsächlich mal das, womit du dich total zu identifizieren hast, nämlich die Staatsgewalt, und tust, was eigentlich ihres Amtes wäre, schon überschreitest du deine Kompetenzen und fällst wegen dieser Identifikation unters Verdikt des Identitätsdiebstahls, also in die Psychiatrie, wenn du Glück hast.
Wenn die Abziehbilder (auf der Rechten) sich wie das Original aufführen, bekommt das Original Identitätsprobleme. Und weil es die Macht hat, räumt es den Repräsentations-Usurpator aus jedem praktischen Vollzug seiner Einbildungen.
Beispiel: "Jack the Ripper", der seiner Staatsgewalt helfend unter die ohnmächtigen Arme griff, und unter den viel zu vielen hungernden Huren von London gängige Ordnungsvorstellungen ins Werk setzte, kann von Glück sagen, dass er beim löblichen, aber illegitimen Werke nicht erwischt wurde.

Mittwoch, 10. März 2010

Klassenhass, von oben

Bevor die niederländische Ritterschaft von den Bauern weggeputzt wurde, sang die fröhlich das Kerelslied, um sich den Hass und wohl auch die Angst vor den Geknechteten vom Leibe zu singen:

Wij willen van de kerels zingen Wir wollen von den Bauern singen
zij zijn van kwader aard ..die sind von böser Art
zij willen de ruiters dwingen die wollen gar die Ritter zwingen
zij dragen een langen baard ...und tragen einen langen Bart
....(Symbol des freien Mannes)
Ter kermisse wil hij gaan ...Will zum Jahrmarkt gehn
hij denkt dat hij is een graaf ...und denkt er ist ein Graf
daar wil hij het al omme slaan ...da will er sich herumprügeln
met zijne verroesten staaf mit seinem verrosteten Eisenstab

Dan gaat hij drinken van den wijn dann macht er sich an den Wein
stappans is hij versmoord ...in dem er sich ertränkt
dan is de wereld 't zijn ...hat die Welt in der Tasche
stede, land ende poort ....Städte, Land und Hafen

men zal ze slepen en hangen Man wird sie schleifen und hängen
hun baard is al te lang ...ihr Bart ist all zu lang
zij kunnen het niet ontgangen .da kommen die nicht drum rum
zij dochten niet zonder bedwang die taugen nichts ohne Zwang

Hallo, ihr Friedens- und Konfliktforscher!
Wie hätte denn nach den zahlreichen vergeblichen Bauernaufständen, die immer an den besser gerüsteten Rittersleuten scheiterten, eure Lösung ausgesehen?

Den Unterdrücker bitten, streicheln,
-eine Gewerkschaft gründen,
-auf Ver- Rechtlichung des Abhängigkeitsverhältnisses bestehen,
-auf Augenhöhe verhandeln?
An welche gemeinsamen Interessen hätte man da wohl appellieren können?

Die Liebesbotschaft war übrigens damals schon den beiden Parteien durchaus bekannt, aber von der ebenso bekannten durchschlagenden Wirkungslosigkeit.

- Ach du, immer mit deinen alten Geschichten!

Menschenmaterial“ ist kein Bah-bah!-Unwort des 20. Jahrhunderts wie uns die Moralwachteln einreden wollen, sondern ein Fachterminus des Militärs aus den Schlachten des ersten aus der Weltkriegsserie.
Nach Vietnam sagte der Menschenfreund - und gern den Frieden herbeibombende - Henry Kissinger: «Soldaten sind nur dumme, stumpfe Tiere, die man als Pfand in der Außenpolitik benutzen sollte …»
(aus Kapitel 5 der «Final Days» von Woodward und Bernstein).

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