Nuit-nalismus

Dienstag, 8. Februar 2011

„Ich bin davon überzeugt, dass...“

Wenn einer nichts Richtiges weiß („Das ist unsere Überzeugung.“ O – Ton - Merkel), dann kommt er uns mit dem Brustton der Überzeugung.
Dass man den Idioten nicht einfach stehen lässt, und sich Wichtigerem zuwendet, liegt daran, dass ein Politikerwort auch noch dann medial breitgetreten werden muss, wenn das Intelligenteste daran die unverzüglich einsetzenden Interpretationen sind. Wie sollte man denn sonst von der Existenz eines weiteren geistigen Nullereignisses erfahren?

Damit wir uns recht verstehen. Ich halte nichts von der bloggenden Hochnäsigkeit, die Politiker für dumm, und eine - vom Blogger vorgeschlagene, menschenfreundlichere - Alternative zum Beschlossenen für das eigentlich Angesagte herumplärrt.

Das Wesentliche an der Bekräftigung subjektiver Bekehrtheit ist nämlich nicht ihre intellektuelle Erbärmlichkeit, sondern die sich gleich nach dem Komma ankündigende Ansage der objektiven Härten, mit der man gegen die Bevölkerung losziehen werde. Wenn jetzt eine „Wirtschaftsregierung“ angedroht wird, dann – Gnade uns Gott! – wird tatsächlich die Wirtschaft - nunmehr ganz offiziell - ans Regime regiert werden.
Diese ständig besorgten Politiker sind eben keineswegs Menschen wie du und ich, sondern diejenigen, die fest davon überzeugt sind, es uns besorgen zu müssen.

Spazieren gehen in den Trivia

Das Detektiv- /Polizei- Erzählsel schwätzt einem das Bewusstsein auf, menschliches Handeln sei im Grunde lediglich individuelles, selbstgesetzliches Tun.
Dass noch unser scheinbar eigenstes Tun durch kollektive Mächte und Zwänge bestimmt und gelenkt wird, so dass wir uns überhaupt nur noch reflexiv erfahrbar machen können, dass hierzulande Ensembles gesellschaftlicher Verhältnisse herumlaufen, wird feierabendlich, täglich und mehrfach dementiert.

Und so wird uns die Welt behaglich vorsortiert:

- Die Helden: passionierte Rechtshüter und Verbrechensverfolger, Sachwalter der Staatsgewalt, Vollstrecker staatlicher Ordnungsvorstellungen haben abstrichlos verinnerlicht, dass Gewissensinhalte und Rechte identisch zu sein haben.
Eine eventuelle private Neugierde ist die verinnerlichte Dienstvorschrift: Er tut seine Pflicht, die eben in der Gewaltanwendung liegt.

Durch die Ausgestaltung der Figur als einer interessanten Person wird ihre tatsächliche Funktion gelöscht: „Aber er ist doch ein Mensch!“

- Die Feinde: zeichnen sich durch eine natur- oder schicksalhafte, unveränderbare und unfragliche Bösartigkeit aus. Das macht die stattfindende Menschenjagd zu einer Dauerkampagne gegen das Böse, das immer und überall lauert. Gelöscht wird so der Restbestand an Bewusstsein davon, dass in der genüsslichen Abstrafung eine privatistische Verengung gesellschaftlicher Widersprüche vorliegt.

Der Zweck staatlicher Gewalt, die Souveränität freier Verfügung über ALLE vorhanden Interessen, wird durch die Verlagerung des Gewaltproblems in seine Moralisierung geleugnet: Legitime gute Staatsgewalt – Illegitime böser Gewalttäter.

- Die sozio -hygienische Leistung:
Auch wenn ein Polizist „Scheiße“ sagt, bleibt er ein Orientierung setzendes Leitbild durch die guten Gründe, die er dem Sinnbedürfnis an einer übersichtlich geordneten Gut-Böse-Welt ins Heia-Bettchen mitgibt. Bestätigung und Stabilisierung auferlegter Versagungen präsentieren sich als die richtige, weil herrschende Norm. Bestehende Zwänge sind unausweichlich und unveränderbar.

Der ideelle Ehrentitel dafür: Gerechtigkeit, in dem der selbstbewusste Untertan seine Einstellung zur Sache der allgemeinen Gewalt kultiviert.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Schwarzer Humor

I' ve no time to tell you how
I came to be a killer.
But you should know, as time will show,
That I'm society's pillar.”


Jack the Ripper, der berüchtigte Prostituiertenmörder sandte diese und andere Verse seinerzeit an eine Londoner Zeitung.

Er stellt sich dem erstaunten Leser als eine wahre Stütze der Gesellschaft vor, als geradezu unabdingbares Element der herrschenden Ordnung. Der von jedem gewusste Begriff des serienmäßigen Mordes ist hier durchgestrichen und ersetzt durch die Zuerkennung eines Werts gesamtgesellschaftlicher Nützlichkeit.

Und dieses Selbstbewusstsein hat sogar etwas für sich.
Angesichts der Lebensbedingungen im viktorianischen London von Leuten, die nie darauf gekommen wären, sich die selber auszusuchen (Massenarbeitslosigkeit, Elend der über 80 000 Huren in London und verantwortungsvolle Interessenwahrnehmung der anderen Stützen des Gesellschaft), erweist Jack seiner Herrschaft tatsächlich einen Dienst, wenn er das längst gefällte Urteil der Herrschaft über die Unbrauchbarkeit größerer Teile der abhängigen Klasse lediglich vollstreckt, sich also als Henker um die Exekution von Überflüssigen verdient macht, um eine Hinrichtung, die in der Bestreitung jeglicher materiellen Lebensgrundlage durch den Staat bereits ausgesprochen ist.

Eines der Mädchen aus dem East End brachte das viktorianische Paradies auf seine schlüssige Formel. Als man ihm riet, die Arbeit auf der Straße für eine Weile aufzugeben, damit sie nicht dem Ripper in die Hände fiele: „Soll er doch kommen. Für eine wie mich – je früher, desto besser.“
Sogar das Opfer sieht darin auf makabre Weise noch ein Werk der Barmherzigkeit, wenn das Urteil, das über ihre Unbrauchbarkeit bei der Reichtumsschöpfung gefällt wurde, auch endlich vollstreckt wird.
Die Interpretation des Mordes, der dem Staat, dem nun leider die Hände gebunden sind, hilfreich zur Hand geht, geschieht nach dem Mechanismus des schwarzen Humors unter der üblichen Berufung darauf, dass der Staat und seine Exekutive selbstverständlich nicht mordet, wenn sie über eine Anzahl von Untertanen befinden, sie zähle zu den unnützen Fressern.

Als höchste moralische Berufungsinstanz kommt diese Staatsfrömmigkeit implizit auch in der nächsten Strophe daher:

"I' m not a butcher
I'm not a Yid
Nor yet a foreign skipper,
But I'm your own light-hearted friend
Yours truly,
Jack the Ripper."


Völlig gerechtfertigt und besten Gewissens (light-hearted) steht der Freund und Parteigänger seiner Nation schön da.
Die eigentlichen Schädlinge((Juden und das ausländische Kapital der „foreign skipper“) sind nämlich ganz wo anders zu suchen.
Die Wahrheit über den Ripper ist, dass er um der höchsten Instanz seiner nationalistischen Moral willen ausspricht, was der Nationalstaat beständig praktiziert , und Hilfestellung leistet beim Aufräumen, wo nicht gründlich genug verfahren werden konnte.

Das Ekelhafte daran: der normale moderne Staatsbürger wird sein hier vorgeführtes eignes Denken keineswegs als das mechanische Produkt dieser Denkfigur durchschauen wollen.

Winkelreformertum
Ein Profitsystem, das in sich alle Mittel seiner Selbstheilung enthielte, hätte damit bewiesen, dass es nie eines war.

Gebildeter Analphabetismus
Des Lesens - aus Gründen der Charakterfestigkeit - Unkundige sind zwar im Besitz dieser Kulturtechnik. Schauen aber doch lieber nach, ob da auch steht, was da stehen sollte.

Sonntag, 30. Januar 2011

Kritik geht heute so:

“If you´are so clever why aren´t you rich.”
Das Gegenüber wird auf die geltende Moral der Kunst, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, verpflichtet, und dann auch noch so getan, als ob er am eigenen Maßstab gescheitert sei. Was ihm zur Last gelegt werden müsse.
Auf Deutsch heißt die selbe – allerdings um ihre ökonomische Valenz gebrachte – Gemeinheit übrigens: „Wenn das Entchen nicht schwimmen kann, ist das Wasser dran schuld.“

Einen Satz wie „You have to be rich to be poor.“ würde so ein von Ayn Rand, oder gar von seiner eigenen Anschauung verseuchtes Gehirn nie begreifen, weil es ein Gedanke und nicht der gebotene Vollzug ist.

Es ist dicht, weil es ganz im Gegenteil daran glaubt: „You have to be rich to help the poor.
Im Ernst auf die praktische Probe gestellt, würde so ein Maximendrescher, der das gesellschaftliche Wesen des Geldes so sträflich missachtet, sehr schnell von seinem barmherzigen Samaritertum geheilt.

Irgendwie geht es heute in den Köpfen so zu wie im Komödienstadel und im Ohnsorgtheater. Wie im Volksstück wird die individuelle Lösung eines die Harmonie störenden, gesellschaftlichen Problems als Beweismittel genommen, weil man sie da oder dort bei der Besichtigung des Einzelfalls glücken gesehen hat. Die reichen Onkel aus Amerika sind aber nach wie vor sehr dünn gesät. Und die Oberärzte stehen für heiratslustige Krankenschwestern nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung.

Eine solche Beobachtung ist freilich dem gutgelaunten Kritiker der Kritiker nur Beleg eines Tunnelblicks, den er lässig mit der Weite seines Horizonts kontert: man habe eben die Regeln auszutricksen durch ihren smarten Gebrauch als Chance.

Aber selbst beim Fußball als bloßem Spiel ist das mit den Chancen so:
Torchancen sind keine Tore.

Und es spricht zweitens nichts dagegen, ungern rumzuschlägern, wenn schon feststeht, wer bei der Prügelorgie mit Sicherheit nicht mitmacht und auf mirakulöse Weise trotzdem gewinnt.

Sonntag, 23. Januar 2011

Ein Wort zum Sonntag

Liebe Gemeinde,
am heutigen Tage unseres Herrn wollen wir uns besinnen und über dessen menschenfreundliche Anstrengungen an der mitchristlichen Nahrungsfront nachdenken.
Früher, in den schrecklichen Zeiten des Schlendrians und der Unaufmerksamkeit, hat es ein heute unbekanntes Phänomen gegeben, welches das Herz des guten Christen auch heute noch in der Erinnerung erbeben macht, .....den Hunger.

Gott sei Dank, dass diese Geißel der Menschheit durch die unermüdliche Definitionsarbeit des Heiligen Geistes endlich aus der Welt geschafft wurde. Infolge eines pfingstlichen Erlebnisses wurde in dem neuen Jahrhundert, das uns der Herr werden ließ, der Hunger schlagartig durch eine „food insecurity“ ersetzt.

Noch im Jahre 2005 hungerten beispielsweise in den Vereinigten Staaten 10,8 Millionen US-Bürger. Insgesamt waren es gar 35 Millionen, (= jeder achte US-Amerikaner), die irgendwelche "Schwierigkeiten hatten, sich zu ernähren“.
Und schon im Jahre 2006 mussten die Hungernden endlich einsehen, dass es sie gar nicht gibt, da die US-Regierung seit dem November 2006 dieses Jahres des Herrn stattdessen von Menschen mit „sehr geringer Nahrungssicherheit“ spricht.
Damit war auch das Problem gleich den richtigen Händen übergeben. Denn für Sicherheitsfragen ist nach unerforschlichem Ratschluss der Kaiser, dem wir geben, was des Kaisers ist, zuständig.

Auch in unserem schönen Heimatlande braucht heute niemand mehr zu hungern. Der Tisch ist den prekären Billigessern - wegen der heidnischen Angst vor dem Tode durch vergiftete Nahrungsmittel - sogar überreich vom Herrn gedeckt worden. An den Tafeln mästen sich derzeit die vom Herrn Geprüften mit Eiern und schlagen sich den Wanst voll mit dem verschmähtem Fleisch der Ängstlichen, denen es an der Tugend des Gottvertrauens gebricht.

Zum Trost mag es uns in dieser verabscheuungswürdigen Orgie der materialistischen Völlerei gereichen, dass die Rache des Herrn nicht mehr fern ist, da ER seiner nicht spotten lässt. Der unnatürliche, sichere Zugang zu einer Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse hat nämlich zum Vergessen der Bitte des sich in der Hand des Herrn Wissenden geführt:“ Gib uns unser tägliches Brot.“

Meine Damen und Herren! Wir haben alle unsere Sorgen und Nöte und lassen uns nicht mit billigem Trost über die Last der Ernährung hinwegtäuschen.

Und sollte nicht auch einer von uns, oder morgen, oder heute oder vielleicht nicht? Wer weiß?

Gehet hin und tutet desgleichen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

„Wer eine Missetat erklärt, der entschuldigt sie.“ (Voltaire)

Das könnte euch aufgeklärten Spießern so passen!
Es gibt nichts, was von abgründigerer Gemeinheit gespeist würde, als die permanente Weigerung der Moral, aus dem Schutz des eigenen „Basta“! hervorzukriechen.
Genau das ist der Grund, warum das aufgeklärte Gemüt so absolut dicht ist, wenn man ihm - statt mit den Selbstverständlichkeiten des allgemeinen Einverständnisses – mit Gedanken über einen Zusammenhang kommt.
Alles hängt mit allem zusammen.“
Das ist die Rede eines Wärme verbreitenden Naivlings, den jeder gleich mag.
Aber erklärt einer auch nur einen einzigen Zusammenhang, ohne im selben Atemzug Kommunionbildchen oder Schuldzuweisungen zu verteilen, dann ist so ein konstruierender Schreibtischtäter ein Wuselkopf, der in seiner Monokausalität unweit von Pol Pot sein Unwesen treibt. Ihm die Falschheit seiner Argumente um die Ohren zu hauen, kommt nicht in Frage. Er steht doch außerhalb der Menschheit.
Weil sich wieder keiner darunter was vorstellen können will, nehme ich den vorgestrigen Zwischenfall bei der willfährigen Anne, wo Lafontaine in die Zange genommen wurde. Er sollte sich gefälligst bei zwei verprügelten Demonstranten entschuldigen. Sie seien in irgendeinem Zusammenhang mit Demonstrationen gegen die Linkspartei, wohl als die ersten Opfer des drohenden Kommunismus zu sehen.
Lafontaine erklärte den versammelten Idioten, dass es selbstverständlich bedauerlich ist, wenn einer verprügelt wird. Er sehe nur keinen Zusammenhang von den zeitgleichen, inkriminierten Parteiaktivitäten und dem erlittenen Schaden der beiden. Damit kam er der Hetzmeute gerade recht: „Der entschuldigt sich ja gar nicht.“

Dabei ist es doch so: Wer sich für eine Missetat entschuldigt, die er gar nicht begangen hat, der erklärt in seinem Schuldeingeständnis den heischenden Adressatenkreis zum Inquisitionstribunal.

Eigentlich schade, daß auch das wieder keiner versteht.

Das Methodendings des Tages

Wenn es um den Kommunismus geht, versuchen Linke bis heute, Idee und Ausführung zu trennen. Dabei gehören beide zwangsläufig zusammen.“
Interessant, Herr Janhagel Fleischhauer, Sie haben offensichtlich bei den Demokratiekritikern gut zugehört und was methodisch Brauchbares mit nach Hause genommen.

Montag, 17. Januar 2011

Parteitagsfolgen

Immer wenn die Parteien ihre Tage kriegen ziehen sie - also mindestens einmal im Jahr - eine positive Bilanz darüber, wie sehr sie sich für uns den Arsch aufgerissen haben.
Genau könnte man das freilich nur überprüfen, wenn man bei ihrer nächsten Krebsvorsorge-Untersuchung assistieren dürfte.

Bis dahin wird uns beim Zurechtfinden lediglich die bescheidene und überall sehr gut verteilte Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, helfen müssen. Denn selbst zu einer etwas anstrengenderen Ideologieproduktion sind diese - von niemandem ernsthaft angefochtenen - Zweckverbandsausschüsse inzwischen zu faul.

Das macht es leichter, zu sondieren, für wen besagte Arschaufreisserei wirklich etwas taugt. Neuerdings soll es um „moderne Industriepolitik“ gehen.

Bei solch aufrechter Gradlinigkeit braucht man noch nicht einmal die bekannte Differenz von Versprechen und Einlösung in Erwägung zu ziehen. Genau um die Förderung jener Leute, die „die Industrie“ heißen, wird es gnadenlos gehen. Dass man mit dieser *+?+!** „alle ansprechen“ wolle, ist wirklich keine ideologische Vereinnahmung. Denn erstens kriegen diese Ansprache alle damit Angesprochenen am eigenen Leibe zu spüren, und worin diese ansprechende Wohlfühlkampagne eigentlich inhaltlich bestehe, ist schon seit der ersten Einführung des heute langsam verblassenden bösen K - Worts in das Wortfeld der polittheoretischen Analyse bekannt.
An Bekennermut dieser führenden Märtyrer fehlt es ebenfalls nicht:“„Wir geben ein klares Bekenntnis dazu ab, dass Deutschland ein Industrieland ist.“

Ich meinerseits bekenne mich ebenfalls dazu, dass allem was es gibt, tatsächlich das für seine Existenz bürgende „ist“ zusteht.
Fürchte jedoch, daß es einen Unterschied zwischen einem ironischen Bekenntnis zum Wissen meinerseits und einer religiös verbrämten Androhung politikerseits gibt.

Gott
und die USA haben es sehr mit der Freiheit.
Wehe dem aber, der sie dazu missbraucht, sich nicht für die beiden zu entscheiden.

Nur so als Beispiel.

Sonntag, 16. Januar 2011

Kriecherei des homo politicus


Der selbstbewusste Untertan nähert sich seiner Herrin Demogratiella und bittet sie, doch nicht so mit ihm verfahren zu wollen, wie sie gerade beschlossen hat, mit ihm zu verfahren, indem er sie an ihr besseres Selbst erinnert. Er wendet sich also in seiner gewählten Not genau an jene elegante Gewährsmännnin, die ihn soeben in die Scheiße geritten hat.

Ein stolzes Programm ist das nicht.

Von allem, was die Leute so in den Mund nehmen, gibt es zwei Ausführungen: sein tatsächliches Vorkommen und dessen Ideal.

Schreitet jedoch ein Idealist eigenhändig und unnachsichtig, tatsächlich unrelativiert ans Werk der Verwirklichung dessen, was ihm so vorschwebt, statt den dafür Berufenen die Arbeit zu überlassen, wird er automatisch zum Extremisten, Fundamentalisten, Staatsfeind, Kommunisten, Terroristen....

Ich weiß also gar nicht, wieso jemand einen Narren an Idealen fressen kann. Vermutlich wird man sich wieder einmal damit behelfen müssen, daß es gute und böse Ideale gibt, von guten oder bösen Menschen verfolgt, in guter oder böser Absicht.

Es gibt eine einzige Situation, wo die brutale Verwirklichung eines ideell Insinuierten tatsächlich wie von selbst in die Welt zu kommen scheint. Wenn nämlich eine als Autorität anerkannte Machtposition das von ihr Nahegelegte zu realisieren empfiehlt, sollte es Wunder nehmen, wenn nicht ein nützlicher Idiot sich dafür hergäbe, seiner hilflosen Herrschaft unter die Arme zu greifen.

Wie ein solcher weitverbreiteter Mord in die Welt kommt, ist an Schillers "Maria Stuart " und dem empörenden double bind zu studieren, der hinterher nichts davon gewußt haben will, wovon die Zeitungen wieder mal voll davon sind...

Mittwoch, 12. Januar 2011

Zu den kleinen Schritten

der Sta-kap-theorie,

die besagt, dass zum Lobe des demokratischen Staates zu sagen sei, er hebe immerhin dann, wenn das Kapital mal wieder auf die Schnauze zu fallen droht, das Bein, um den Sturz aufzuhalten und in einen sanften Vorwärtslauf zu verwandeln. Selbst wenn diese Theorie richtig wäre, ist daran – mit Verlaub - etwas abgründig Falsches: da vorne geht es in der eingeschlagenen Richtung auf den sehr plötzlichen Abbruch einer sehr tiefen Schlucht zu.

So etwas zu denken, fällt unter Extremismus, Utopielosigkeit, Schreibtischradikalismus usw., welch selbige Charakterlosigkeiten auf den Verzicht auf die so notwendigen kleinen Schritte hinauslaufen sollen. Wenigstens das eine oder andere Menschenlos habe die augenblickliche Sorte der Staatmacherei erleichtert. Solche perfide Rede unterstellt, dass die Radikalinskis behauptet hätten, das Huhn im Topf sei was Schlechtes, schlimmer noch: dass ihre theoretisch erschlossene und nahegelegte Praxis solche Wohltaten geradezu verhindern würde.

Bevor wir uns also jetzt vor der üblichen Wahrnehmung der Staatsfunktionen nach Maßgabe des erwirtschafteten „Kuchens“ dankbar verneigen, folgendes zu Protokoll:
Die berühmten „Schritte in der richtigen Richtung“ sind allesamt den wechselseitigen Beschränkungen der gegensätzlichen gesellschaftlichen Interessen abgerungen, und in der Parteienkonkurrenz raffiniert abgepokert, adenauersch rheinisch-kapitalistisch abgeluchst (je nach Maßstab der Würdigungsbereitschaft), die ihrerseits nicht rasten und ruhen, nach Maßgabe ihrer Durchschlagskraft für Revierbereinigung zu sorgen.

Wer dabei gewinnt, steht von vornherein fest.

Da kann einem die Performance des einen oder anderen Politikerhaufens im Parlament oder den Gewerkschaftshäusern aber reichlich gleichgültig sein, weil die jetzt anhebende Vorteils-/Nachteilserwägung das nächste Glied in einer auf Lebenslänglichkeit gestellten Vorteils-/Nachteilsrechnungs-Kette ist.

Wie man sieht, geschieht das auch ohne rhetorischen Sukkurs der Wortmächtigen ohnehin und sowieso. Braucht man also gar nicht erst groß zu unterstützen, weil die Debatte über 5 Euro mehr für die Hartz IVer... das Reden über den Grund der Armut verhindert. >
(Gehe zurück auf den letzten Satz des ersten Passus )

Montag, 10. Januar 2011

Prophetenblick

Nach Geisslers vorbildlichem Lehrstück in Stuttgart wird man zukünftig Demokratische EntscheidungsVERFAHREN optimieren, und so den tatsächlichen Inhalt von Politik dem Bewusstsein noch effektiver entziehen. Die Methode selbst ist schon die ganze Botschaft.

Das älteste Verfahren wird Urständ feiern: die antagonistischen Interessen definitiv und definitionsgemäß „draußen vor zu lassen“, und die als berechtigt zugelassenen Ansprüche einer beliebigen politischen Zielvorstellung an denen einer ebenso berechtigten anderen scheitern zu machen.

Die härteste Tour wird dabei sein: So viele Abhängige einzukaufen, dass sie die anderen Abhängigen notfalls mit Waffengewalt niederschlagen können.

Methodologien solchen Gegeneinander-Ausspielens heißen dann Friedensstiftung und Stabilität und Sicherheit als Staatsleistung.

Den Demokratiemehrern wird das permanenten Anlass geben, jeden staatlichen Gewaltakt beim Ordnungserhalt als undemokratisch zu verrufen, um weiterhin die Illusion nähren zu können, es gäbe ein gewaltloses Gelingen von Herrschaft am notwendigerweise permanenten Miss-/Gelingen des Kapitalverhältnisses vorbei.

Selbstverständlich
gibt es den
"gewinnbaren Krieg“.
Frag nur den General.

Selbstverständlich gibt es
Den “moralischen Krieg”.
Frag nur den Herrn Pfarrer.

Selbstverständlich gibt es
Den “rechtfertigbaren Krieg
Frag nur den Verteidigungsminister.

Selbstverständlich gibt es
Den „notwendigen Krieg
Frag die davon lebenden Totengräber.

Aber einen “Krieg,
der alle Kriege beendet

Wird es nicht geben dürfen.
Frag die Waffenexporteure.

Ich hasse Kleinstädte.
Hast du erst mal die Besichtigung des Kriegerdenkmals hinter dir, gibt es nichts, was du sonst noch tun könntest.

Erfahrung
Durch die Erfahrung bei Versuch und Irrtum lernen Affen tatsächlich etwas.
Die selbe Erfahrung lehrt, dass das nicht für die Leute, die ich kenne, gilt.
Ein beklagenswerter Unterschied zum Affen, der leider nicht über die Verführbarkeit seines Denkens verfügt.

Freitag, 7. Januar 2011

„Es gibt nur das, was es gibt.

Das, was sein sollte, hat es nie gegeben.“
(Lenny Bruce)

Man kann es eigentlich gar nicht kürzer sagen, aber diese Idealismuskritik geht den hartnäckigen Idealisten seit jeher an ihren Sitzschwielen vorbei. Daher vielleicht doch noch ein kleines Verweilen bei der Thematik.

Das Problem ist nämlich, dass man dem Idealismus gar nicht entkommt. Er ist sozusagen die natürliche Einstellung des Geistes gegenüber der empörenden Realität. Sein Automatismus ist ebenso erschreckend wie das Zuschlagen eines Reflexes.

Idealismus ist schlimmer als die Masern. Man kriegt ihn immer wieder.

Selbst ich bin gegen seine ewige, diensteifrige Präsenz nicht gefeit und falle nur zu gerne und leider auch häufiger als mir lieb ist auf ihn herein.

Im Grunde ist das auch gar nicht immer gleich eine Katastrophe, sondern eine Art lässlicher Sünde, die nur geringen Schaden anrichtet. Zudem meistens nur bei den ihm auf den Leim Gegangenen.

Schlimm wird es nur, wenn diese lebensweltlich umlaufende ideelle Münze zum weltanschaulichen Prinzip mit dem üblichen absoluten Ausschließlichkeitsanspruch erhoben wird. Wenn also die bloße Anständigkeit im Umgang miteinander zur Religion des modernen Staates erhoben wird, zur Moral...

...dann ist plötzlich der selbstverständliche Respekt, den man klugerweise im Umgang mit den Nachbarn walten lässt, zu einer Gottheit erhoben, die dem Knecht seltsames, ihn schädigendes Gebaren, selbst in der Abwesenheit des Herrn gebietet.
Und selbstverständlich muss dann der Herr beim Schädigen des Knechts sagen, dass er das im Auftrag des sie beide vereinenden höheren Prinzips tut.
Und ist gehalten zu schließen mit einem höflichen „Verstanden, Sie armes Arschloch?“

Wesen und Erscheinung
Der einfältigste Einfall des Idealismus ist seine Trennung von Wesen und Erscheinung.

- So ist - nach dieser vorschlagsweisen Sortierung - die Idee des Liberalismus eine ganz vortreffliche, die geschichtlich auftauchenden FDP ler jedoch sind beklagenswerte Typen.
- Die Demokratie - mitsamt dem von ihr irgendwie doch gegen seine eigene Selbstdestruktion in Schutz genommenen Kapital - ist eine unübertreffliche Unkritikabilität, ihre globale Verwirklichung jedoch lamentabel.
- Der Faschismus der davon „verführten“ Idealisten ist selbst nach ´45 himmelweit zu unterscheiden von seiner abartigen Realisierung.
- Das Amt der ministerialen Ressorts ist ein sakrosanktes mit Heiligenschein, an dem gemessen selbstverständlich die Waltung und Verwesung des Amtes immerzu nach einer Auswechslung des unfähigen Personals schreit.
- Die Ehe ist eine vom Himmel selbst uns in den Schoß gefallene Gnade, und was hat der bürgerliche Staat daraus gemacht?

Und so weiter...in der Gedankenfigur, dass alles, was deiner Erfahrung und ihrer begrifflichen Fassung zugänglich ist, Maya sei, Blendwerk, Täuschung, das eines Urteils und der daraus folgenden Handlungen gar nicht wert ist, eben bloße Signatur einer hinter ihrer Negation aufscheinenden wahren Wirklichkeit.

Wer es nicht so mit den Ansprüchen des Idealismus hat, wird sich bescheiden auf eine Position beschränken, die gegen dessen Zumutungen daran festhält:
Wenn es denn das Wesen einer Sache ist, dann wird das ja wohl auch in Erscheinung treten.


Zyniker
Jene gemeinen und niederträchtigen Charaktere, die deine Wertschätzungen nicht teilen, und sich dann auch noch hinterlistig und völlig unberechtigt darüber beschweren, dass du auf ihren Seelen herumtrampelst mit deiner Missachtung ihrer Wertschätzungen.

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