Nuit-nalismus

Sonntag, 13. Dezember 2009

Begleitmusik

Hochzeitsmärsche, Marschmusicke und Medien - Entertainment fallen unter die Maßnahmen zur Truppenbetreuung in schwierigen Zeiten.
Kulturhistorisch betrachtet: Kains Nachfahre im sechsten Glied hieß Jubal. „...Von dem sind hergekommen die Geiger und Pfeifer“.
Was kann man bei einer solchen Abstammung schon von den Journalisten im Schaustellergewerbe der Medien erwarten?

Der Jahrmarkt war ehedem darauf ausgerichtet, Unterhaltung gegen Bezahlung zu bieten. Auf dem Jahrmarkt bezahlte das Publikum nicht dafür, die Wahrheit gesagt zu bekommen. Das Publikum bezahlte dafür, eine Illusion geboten zu bekommen.

Heute wird es für seine Illusionen zahlen gemacht, die es für Wahrheit nimmt.

Das ewige Schweigen jener unendlichen Räume öffentlicher Kommunikation macht mich schaudern.

Hier spricht die Wissenschaft

Die USA können nicht neutral sein. Ihnen wird permanent zugemutet, weltweit Probleme zu lösen.“ (So der Berliner Politologe Herfried Münkler im Tagesspiegel)

Ich lese das mal gutmütig so, dass die USA immer zu einer unschönen Parteilichkeit gezwungen sind, nämlich der, auf ihrer Seite zu stehen. Warum?
Man muss sich schließlich gegen die Permanenz der Zumutung, Imperialismus als Lösung der von ihm geschaffenen Probleme zu verkaufen, irgendwie zur Wehr setzen.

Samstag, 12. Dezember 2009

Reizvolle Aussichten

Ein charismatischer Retter namens Obama skizzierte dieser Tage auf einer Pressekonferenz seinen Vorschlag eines zweiten Multimilliardenanreizes für den Aufschwung.
Ganz im Unterschied zu dem Gesetz über den regierungsamtlichen 787 $ Milliardenanreiz, der sein Ziel verfehlt hat, Millionen Jobs “zu retten oder zu schaffen”, zielt dieser Vorschlag darauf, wirklich Jobs “zu retten oder zu schaffen.“

Immer vor Weihnachten sieht man Politiker einem befremdlichen Wirken nachgehen. Sie schnüren Rettungspakete:
- für die notleidenden Brüder und Schwestern im Bankgewerbe, was zu befremdlichen Massenentlassungen von Universitätsabsolventen in fachfremde Wirkungsbereiche wie Barmann, Taxifahrer ...leider, leider führen muß;
- für die Menschen draußen im Lande ist bekannt gemacht worden, dass in dieser vorweihnachtlichen Zeit auch ein weiteres Paket zur Rettung des Afghanistankriegs fällig wurde, damit er dort bleibt, wo er hingehört, und nicht etwa plötzlich vor unserer Haustür die Freiheit vergewaltigt...;
- für die Rettung der gefährdeten Aufschwungsbeschleunigung ;
- und jetzt retten sie sogar das Klima, paketweise!
-
Ach, das sei keine Art, darüber zu reden?
Ja, wer hat denn mit dem Sanitäter- und Ambulanzgequatsche angefangen, die oder ich?

Freitag, 11. Dezember 2009

Finanzmarktarchitektur

Die bislang als „Gestalter der Zukunft“ sich Anpreisenden haben umgesattelt.

Nachdem sie bislang bei ihren künstlerischen Bemühungen keine gute Hand bewiesen haben, und der Kunstmarkt mit Grausen sich von diesen Elaboraten ihrer Gestaltungsbemühungen abwandte, versuchen sie sich nunmehr als Architekten mit dem Entkernen der alten Bausubstanz und dem Stabilisieren der bröckligen Fassade.

Mir hat ja schon die alte Bruchbude nicht gefallen. Aber wer weiß, vielleicht führt dieses Lifting doch zu optischen Reizen, die mir passioniertem Wanderer beim Daran - vorbei - Nomadisieren ein interesseloses Wohlgefallen abnötigen.

Ach, das ist keine Art, darüber zu reden?
Na, wer hat denn mit dem ästhetisierenden Bequatschen der Räuberkaschemme angefangen, die oder ich?

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Obamas Friedensnobelpreisrede

Es macht wenig Sinn, herumzustreiten, ob er nun, oder doch nicht den Nobelpreis verdient habe. Da sollen sich die Pfaffen ihr Hick-Hack liefern.

Feindbeobachtung aber macht Sinn. Vor allem lohnt es sich, die primitiven Mechanismen zu studieren, deren der freie Wille des Machthabers sich bedient.

Der zentrale Punkt dieser rotzfrechen Apologie des Krieges schlechthin beginnt mit der Verteidigung des Kriegs in Afghanistan: "Es ist ein Krieg, den Amerika nicht gesucht hat." (Hier wären ein paar Kenntnisse der Zeitgeschichte vielleicht nicht ganz schlecht, sind aber nicht unerlässlich. Denn sämtliche Heerführer seit Aufzeichnung ihrer Taten legten Wert auf diese Feststellung, dass sie eigentlich das Opfer seien.)
Man hat also – das Böse lauert immer und überall !– Amerika angegriffen.

Er (Obama) stehe zu seiner Verantwortung dafür, dass Menschen (gemeint sind Soldaten und Söldner Amerikas und seiner tributpflichtigen Satrapen) töten und Menschen getötet werden (gemeint sind Späne, die nun mal fallen, wo gehobelt wird.)
Das werde auch so bleiben: "Es gibt eine harte Wahrheit: Bewaffnete Konflikte werden wir zu unseren Lebzeiten nicht auslöschen können." (Pfiffig! Er spielt den Propheten seiner eigenen Entschlüsse.)
Kriege seien sogar nötig, um Schlimmeres zu verhindern.
Dieser intelligenzbefreite Unfug, der jede Sauerei im Vergleich zu vorstellbar Schlimmerem als die Durchsetzung des Besseren in die Welt rotzt, ist mir lebensgeschichtlich seit Hiroshima bekannt.
Je weiter man aber in die Historie zurückkraucht, umso stumpfsinniger kriegt der wissbegierige Studiosus immer wieder eingebläut, dass diese Nation von Anfang an, Kriege immer nur zur Verhinderung von Schlimmerem geführt hat.

Spätestens mit dem nächsten Satz ist jede Gegenwehr gegen den Zusammenfall von realistischer Kriegsperspektive und deren selbstverständlicher moralischer Gerechtfertigtheit für die nächsten Ewigkeiten mundtot gemacht: "Das Übel existiert in der Welt – und ohne Gewalt hätten Hitlers Armeen nicht aufgehalten werden können."

Macht euch auf was gefasst. Dieses gescheite, liberal-faschistische Herzchen hat sich in aller Klarheit und Freimütigkeit einen Freibrief erredet für alles, womit er demnächst ernst zu machen gedenkt.

„Die Liberalen setzen auf...“

Jetzt hat man sich in den Medien endlich dazu durchgerungen, auch die Macher als Hazardeure zu präsentieren, die ihre Spielchen am und im quicken Fleisch der Lebenden treiben.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Politikglaube ist Glaubenspolitik

Politik sei „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß.“ Liest man bei Max Weber.

Dass der Politikglaube nicht zwischen seinem Ideal und dem verhandelten Gegenstand unterscheiden will, macht ihn so attraktiv für die einen und für unsereinen zum Gähnen langweilig.

Wissenschaftsreligion
Dass Wissenschaft ausgerechnet Religion bräuchte: Abwegigeres lässt sich wohl schwerlich denken.
Steht Wissenschaft nicht für Freiheit, Offenheit, Neugier, verlässliche Erkenntnis?
Geht Religion nicht dagegen mit einengender Autorität, Dogmatik, Gehorsam gegenüber dem Gewohnten und ungeprüftem Glauben einher?
Liegt nicht das große Verdienst der Aufklärung darin, die Wissenschaft von der Religion befreit und dadurch erst zu sich selbst gebracht zu haben?
Muss die Freiheit der Wissenschaft daher nicht gerade umgekehrt wachsam gegen die Fesseln religiöser Einengung und die Unterwerfung unter ungeprüfte Autoritäten verteidigt werden?
Diesen weit verbreiteten Ansichten setzt Gesine Schwan (kennt die noch wer?) die These entgegen, „dass die gegenwärtige Wissenschaft Religion zu ihrer Befreiung brauche.“

Seit ich glaube, daß ich im Keller beim Bohren ganz dicker Bretter
auf dem richtigen Wege bin, fühle ich mich richtig befreit.

Montag, 7. Dezember 2009

Glaubenswissenschaft

Es sind ausgerechnet immer jene Leute, die vom Wissen nix wissen wollen, die in ihrer ebenso weit ausufernden wie dennoch hochgeschätzten Nihil-Scienz auf die Verächtlichkeit von Kleingeistern herabsehen, weil die angeblich an die Wissenschaft glauben.

Das amüsiert mich.

Wie soll denn das gehen? An das Wissen glauben?

Bei dem beliebtesten dieser Standardsätze: „Ich glaube nicht an Marx.“ stelle ich mir immer eine Sprachspielreihe vor, die geht so:
-Ich glaube nicht an die Mathematik.
-Ich glaube nicht an die Geographie.
-Ich glaube nicht an das Wissen meines Zahnarztes…
Ja, um Himmelswillen, wer von den nicht allzu wenigen Idioten auf dieser Welt hat denn das überhaupt verlangt?

Ich vermute, diese Fehlbestimmung von Theorie, die man ja – bitteschön - widerlegen kann, wenn da ein Fehler drin ist, was beim Glauben nun mal nicht geht, will einfach nur sagen: Mich interessiert das nicht.

Was ja auch so in Ordnung geht.

Übrigens könnte man zu diesem Zusammenhang von Glauben und Wissen auch wissen, ´Tschulljung: zu wissen glauben:
Selbst wenn Marxens Kapitalismusanalyse eine Angelegenheit des Glaubens wäre, könnte man ruhigen Gemütes seinen Weg gehen, denn seit wann hat denn das Bekenntnis zu einem Glauben automatisch irgendwelche angebbaren Konsequenzen nach sich gezogen?
Wenn der Glaube tatsächlich praktisch wird und zuschlägt, dann muß es ein dahinter stehendes gesellschaftliches Interesse am orthodoxen Dogmatismus geben. Sonst wird nie und nimmer ein Blutbad draus.

Wissenschaftsgläubigkeit

Es ist furchtbar, dass es ein solches Wort überhaupt gibt, das es eigentlich gar nicht geben dürfte, weil Wissenschaft nun mal von sich aus den Glauben an sie begrifflich ausschließt.
Nicht genug damit, dass damit ein Fabelwesen in der Welt ist. Jetzt finden die einen das sogar gut, weil wir alle sowieso „ in der Hand des Unverfügbaren „ seien, und die anderen schreiben sich an Satiren darüber die Finger wund.

Meine Mutter hatte ein lebenslängliches Problem. „Höre ich dem einen Politiker zu, muss ich ihm recht geben. Aber schon beim nächsten, der etwas ganz anderes sagt, stimme ich ebenso überzeugt zu.“
Es war ihr nicht beizubringen, dass die gleichzeitige Geltung von einander sich ausschließenden Geltungsansprüchen nur dann geht, wenn nicht von der Sache die Rede ist, sondern ein Appell an moralisch-verantwortliche Begutachtung unterbreitet wurde, und über diese geistige Lumperei ihre Zustimmung beigetrieben wurde.
Wissenschaftsgläubigkeit ist ungefähr so intelligent wie der Glaube an die Barbarei eines "erkenntnisleitenden Interesses". (Habermas)

Lieber heiliger Nikolaus,

ich mach das eigentlich gar nicht gern, dass ich wen verpetze.
Aber mein Vati hört überhaupt nicht mehr auf, auf einen gewissen Monsanto zu schimpfen, und da wärs mir schon recht, wenn Du den mal ordentlich verwamst, damit endlich mal das dauernde Geschimpfe aufhört.
Verdient hat der Monsanto seine Schläge eigentlich schon, kann ich Dir sagen. Und wenn Dir andere was Gutes von dem erzählen, vergiss es.
Was ich so mitkriege, geht so:
In Indien haben die wichtigen Leute den maharashtrischen Saatenbanken verboten, weiter die normalen Saatkörner zu verkaufen. Jetzt gibt es da nur noch die gen-manipulierten Saaten vom Herrn Monsanto zu kaufen, die 1000 Mal mehr hinterher ergeben sollen, und auch weniger kosten als die normalen bisherigen Samenkörner.
Das ist doch eigentlich prima, oder? Wart mal ab.
Das Blöde ist nämlich, jetzt hat es da zwei Jahre nicht ordentlich geregnet, und die Ernte ist schon zweimal ausgefallen, und die Bauern können jetzt nicht einfach wie früher ein bisschen von dem Saatgut aufheben für die Aussaat im nächsten Jahr. Warum? Weil dem Herrn Monsanto seine Körner sind „terminator technology“. Dem seine Körner sind keine lebensfähige Sorte, aus der man im nächsten Jahr was Essbares ziehen könnte.
Also muss man wieder zum Herrn Monsanto gehen und wieder seine Körner kaufen, obwohl man das ja gar nicht kann, weil schon von vor zwei Jahren kein Geld mehr aus einer Ernte gekommen ist und die Banken keine Lust haben, ihr Geld auf Nimmerwiedersehen beim Herrn Monsanto verschwinden zu sehen. Dies sei ein Missbrauch des Kreditwesens. Aber das lasse dir lieber von dem Geschwurbel erklären, das mein Vati an der Stelle immer macht, wenn er von der Schuldenfalle labert.
Jetzt denkst Du natürlich, dass die Bauern eben blöd sind, wenn sie sich auf so etwas einlassen, und gehören selber verhaut.
Aber wenn doch kein anderes Korn mehr verkauft wird...! Und wenn 1000 mal so viel herauskommen soll...! Was tätst denn Du da machen? Und außerdem hat der Herr Monsanto versprochen, dass man bei seinem Korn nix mehr von den teuren Insektiziden mehr braucht.
Obwohl, es ist jetzt bei seiner Sorte zweimal so viel Wasser zur Bewässerung nötig, und es hat noch nicht einmal für einmal gereicht in dem staubigen Kontinent, dem staubigen, wie der Vati immer rumbrüllt.
Also ich glaube, Du siehst jetzt ein, dass der Monsanto Deine Rute zu spüren bekommen sollte. Aber tüchtig!!!
Und sag dem lieben Gott einen schönen Gruß, und er soll doch machen, dass wenigstens die Insektizide , mit denen sich die armen Bauern zu zig-Tausenden umbringen, billiger werden, dass es auch mal für Frau und Kinder reicht.

Viele liebe Grüße von Deiner besorgten

Anna Wohlgemuth

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