Sonntag, 13. Juni 2010

Anekdote zur Senkung der Mobilisierungsmoral

Das ist jetzt über 30 Jahre her. Wir demonstrierten mal wieder, was und wo die Polizei uns das erlaubte.
Der Demonstrationszug ging auch an einem großen Würzburger Kaufhaus vorbei, in dessen erstem Stock zufällig gerade jene Herren speisten, gegen deren Entscheidungen es ging.

Da flog ein abgenagter Kotelettknochen durchs geöffnete Fenster.

Dass da kein Missverständnis aufkommt: von oben innen nach unten aussen.

Das eingebildete Menschenrecht
auf Verwertung meiner Arbeitskraft stößt sich gar nicht mit dem tatsächlichen Menschenrecht auf freie Verfolgung der Interessen, denen sich anzudienen für die meisten unumgänglich ist.

Experiment
Ich zeichne dir hier mal einen Autobus im Profil.
Schau her.
Hier das ist der Busaufbau, mit Motorhaube, damit man ihn besser erkennt. Da vorne und hinten das Runde, das sind die Reifen.
Und die Kästchenreihe da oben das sind die Seitenfenster. Da vorne mach ich noch einen Scheinwerfer. So, fertig.“

Ja, das ist ein Bus. Gut zu erkennen. Aber was soll das?“
Dir fällt also nichts daran auf?“
Nee, sollte denn?“

Ich deute das mal als einen Beweis dafür, dass die Normalos ganz und gar unpraktisch denken. Ihnen genügt schon die Vorstellung von /das Symbol der Sache. Dann sind die damit schon fertig und zufrieden.
In den Bus wird nie einer einsteigen können.
DER HAT KEINE TÜRE!

Aber der Bus als Wille und Vorstellung genügt ja schon.

Erhebend und erschreckend zugleich, dass keiner Wert darauf legt, damit wegzufahren. Noch nicht einmal im Bild.

So kommt es , dass in der sie beseligenden Abstraktion alle Welt frei und gleich mit ihresgleichen an der Haltestelle von einem Fuß auf den anderen tritt .

Experiment II

Die Jugend gehört der Zukunft.

Sie haben doch auf Anhieb diesen Satz richtig gelesen? Und wenn nicht, was hieße das ?
antiferengi - 13. Jun, 10:57

Sehr schöne Anektdote und Experimente ;-)
Beim zweiten wäre ich fast versucht zu wetten-, dass er, als Zitat missbraucht, zustimmendes Nicken der Anwesenden auslösen würde. Es entspricht der Symbolik des Busses. Ein Zeichen, eine Klangähnlichkeit, oder ein Satz mit bekannten Wörtern darin, schon ist jeder zufrieden wenn irgend ein unbewusster Automatismus einem sagt, was gemeint sein könnte. Zuhören, durchlesen, oder detailbewusst hinsehen widerspricht der Ökonomie des Umganges mit der Umgebung. Will meinen, - es ist anstrengend. Gibt es übrigens auch anders herum. Manch Pilzsucher ist schon mit einem blauen Auge heimgekehrt, weil ihm der Sinn für die Umgebung abhanden gekommen ist ;-)
Ich könnte mir die Finger wundschreiben über Systemtheorie, - es endet immer im; "Alles ist ein großes System" Allahu Akbar. So können die Ökonomen leider nur gewinnen.

gebattmer - 14. Jun, 23:17

Die Anekdote verstehe ich nicht

(Nicht nur) vor über 30 Jahren hab ich ja auch demonstriert und ich war kürzlich auch in Würzburg, kann mir also ein Bild machen, aber es will sich mir nicht erschließen, was das für Herren hätten sein sollen, gegen deren Entscheidungen ihr demonstriertet, die ausgerechnet im ersten Stock eines Kaufhauses speisten und dann auch noch Knochen aus dem Fenster schmissen. Ich fürchte, ihr wart an der falschen Adresse und der Knochenwurf traf also die richtigen. Ich vermute, das Kaufhaus gehörte Herrn Beisheim und die knochenwerfenden Abteilungsleiter gehörten schon damals zum Prekariat ... Da hätte ein Knochenwurf von außen unten nach innen oben auch nichts gebracht!

gitano - 15. Jun, 08:07

Lesarten

Ich verstehe auch nicht, wieso sich diese durch die Scheiben gut erkennbaren politischen Lokalgrößen an ungustuösem Ort den erbärmlichen Zug anschauen wollten. Noch dazu während der Arbeitszeit. Dass sie in der Annahme der Anekdote "speisten", ist ihrer sozialen Stellung geschuldet, nicht einer Augenzeugenschaft.

Es war übrigens nur ein Knochen. Für eine ernsthafte Gegendemo hätten es eigentlich mehr sein müssen.

Für die Streckenführung einer Demo ist die Polizei zuständig. Beschwere Dich also bei der, wenn sie uns irregeführt hat.

Ich nehme an, daß der reine Zufall für einen kleinen lichtvollen Augenblick den völlig ungerechtfertigten Anschein entstehen ließ, wie die Machtverhältnisse tatsächlich liegen.

Akzeptiere aber auch jede andere Deutung.

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