Makame
(= ein kunstvolles Prunkstück an Heischrede eines Bettlers, ursprünglich Abendunterhaltung der Kalifen durch erbauliche Reden geladener frommer Männer)
Aus den Makamen des Hariri (Friedrich Rückerts Übersetzung)
Abu Said, der Bettler göttlicher Abstammung, spricht:
Da blind ist die Mutter der Menschen, die Welt,
Zudrückend ihr Auge vorm Guten geschwind;
So drückt ich vorm Bösen das meinige zu,
Damit seiner Mutter auch gliche das Kind.
Doch hab' ich geschlossenen Auges gesehn,
Daß andere blind mit geöffneten sind.
Die einen verblendet der Haß und der Neid,
Und dich macht die Liebe zum Liebenden blind.
Abu Saids, des fürstlichen Bettlerpoeten Dichterbild:
Den Kummer der Armut, der Dürftigkeit Schutt
Verwenden wir kunstreich zu Dichtungsgebäuen.
Wir locken die Gab' aus geschlossener Hand,
So gut wie aus offner, die Geben mag freuen.
Wir tauschen Geschenk' ein für Täuschung mit Lust,
Daß selbst nicht den Tausch die Getäuschten bereuen.
Ich, Hareth Ben Hemmam, sprach:
O Abu Seid, wie lange
Willst du noch sein die Schlange,
Stets lauernd neuem Fange
Und wechselnd Haut um Haut?
Er aber antwortete ohne Bangen
– und unbefangen:
Mach dir mit Gottes Schutze
Des Pred'gers Wort zu nutze;
Ihm unter die Kapuze
Zu schaun, ist unerlaubt.
So ließ er mich stehn betroffen
– und ging, wo ihm die Welt stand offen
Aus den Makamen des Hariri (Friedrich Rückerts Übersetzung)
Abu Said, der Bettler göttlicher Abstammung, spricht:
Da blind ist die Mutter der Menschen, die Welt,
Zudrückend ihr Auge vorm Guten geschwind;
So drückt ich vorm Bösen das meinige zu,
Damit seiner Mutter auch gliche das Kind.
Doch hab' ich geschlossenen Auges gesehn,
Daß andere blind mit geöffneten sind.
Die einen verblendet der Haß und der Neid,
Und dich macht die Liebe zum Liebenden blind.
Abu Saids, des fürstlichen Bettlerpoeten Dichterbild:
Den Kummer der Armut, der Dürftigkeit Schutt
Verwenden wir kunstreich zu Dichtungsgebäuen.
Wir locken die Gab' aus geschlossener Hand,
So gut wie aus offner, die Geben mag freuen.
Wir tauschen Geschenk' ein für Täuschung mit Lust,
Daß selbst nicht den Tausch die Getäuschten bereuen.
Ich, Hareth Ben Hemmam, sprach:
O Abu Seid, wie lange
Willst du noch sein die Schlange,
Stets lauernd neuem Fange
Und wechselnd Haut um Haut?
Er aber antwortete ohne Bangen
– und unbefangen:
Mach dir mit Gottes Schutze
Des Pred'gers Wort zu nutze;
Ihm unter die Kapuze
Zu schaun, ist unerlaubt.
So ließ er mich stehn betroffen
– und ging, wo ihm die Welt stand offen
gitano - 24. Jan, 08:30